Direct Coffee GmbH

Facts & Figures

Name des Unternehmens: Direct Coffee GmbH

Gründungsjahr: 2016

Gründer: Michaël und Marie Tuil

Bezug zur HSG: Michaël hat an der HSG einen Doppel-Bachelor (BVWL, BIA) und ein DM2 Master (MEcon und International Management mit der Esada) absolviert.

Branche: Social Startup: Kaffee-Handel Online

Anzahl Mitarbeiter: 2 Vollzeit, 3 Advisors, 1 IT-Spezialist

Website: https://directcoffee.net

1. Die Geschäftsidee:
Wir bringen mit unserem sozialen Startup Direct Coffee direkt und fair gehandelten Spezialitätenkaffee aus Äthiopien in die Schweiz. Ziel ist es, mit einem Teil des Gewinns soziale Projekte in Äthiopien durchzuführen: pro Päckchen Kaffee unterstützen wir, oder besser gesagt die Kunden ein äthiopisches Kind. Entweder mit einer Brille, einer Entwurmungsbehandlung oder einer Woche Schulmahlzeit. Wohin das Geld fliesst, entscheiden die Kunden selbst. Unsere Webseite informiert über die Herkunft des Kaffees, das Leben der Produzenten, darüber wieviel Geld vom Kaufpreis des Päckchens wofür verwendet wird, sowie über die Projekte. Der Kaffee wird für Privatkunden bequem per Super-Flex-Abo nach Hause geliefert, wir haben aber auch KMUs als Kunden, die ihren Mitarbeiter und Kunden einen Kaffee mit sozialem Mehrwert anbieten wollen.

2. Das Beste an der Selbstständigkeit:

Ich mache jetzt, was ich wirklich machen will, und weiss warum ich es mache. Zu wissen, dass ich pro Paket ein Kind unterstützen kann, motiviert mich sehr. Bei Direct Coffee ist der reine Erlös kein Endzweck. Vielmehr sind die finanziellen Ziele mit den sozialen Zielen eng verbunden. Das ist bei einer grossen Firma einfach anders: Grosse Firmen erreichen mit ihren Projekten grössere Skalen und eine grössere Anzahl Leute, der Antrieb der Mitarbeiter kommt aber meist anderswo her. Mein eigenes soziales Startup zu machen gibt mir die Möglichkeit, meinen Zweck im Vordergrund zu haben und die Prioritäten der Firma darauf auszurichten.

3. Die wertvollste Erfahrung:
Beim Besuch der Kleinbauern in Äthiopien wurden wir eine Menge gefragt: was haben wir vor, wann kommen wir zurück? Die Menschen erzählten uns, dass sie oft enttäuscht oder betrogen worden sind: Käufer versprechen im nächsten Jahr wieder zu kaufen, nur um einen besseren Deal zu erlangen; Ausländern mit guter Absicht versprechen ein Projekt zu starten, das aber letztendlich im Sande verläuft. Die Leute vor Ort waren deshalb zunächst eher skeptisch. Die wertvollste Erfahrung für mich war es, dass wir es geschafft haben, das Vertrauen der Farmer der Kooperative und der Schuldirektion zu gewinnen: Sie unterstützen unser Vorhaben. Das Versprechen, das wir ihnen gegeben haben, hat eine wahnsinnig starke Motivation bei mir ausgelöst: Ich will ihren Kaffee als einen der besten der Welt positionieren, ihre Kaffeekultur bekannt machen, und natürlich ihren Kaffee verkaufen. Und ich kann es nicht erwarten, Ende des Jahres zurück nach Äthiopien zu reisen, um die Projekte umzusetzen und die neue Ernte zu kaufen: Das wird grossartig.

4. Die grösste Herausforderung:

… ist es, alles konsistent zu machen. Die Idee für Direct Coffee entsprang aus der persönlichen Überzeugung von meiner Frau Marie und mir (wir sind ja ein «Couplepreneur»), dass wir ein Produkt anbieten können, welches für den Kunden, für die Umwelt, und für die Gesellschaft einen echten Mehrwert schafft. Natürlich gibt es immer wieder Trade-offs zu bewältigen, wie den zwischen umweltfreundlich und bequem: beispielweise sind Nespressokapseln zwar bequem – das Alu aber, das nur zum Teil wiederverwertbar ist, bleibt eine Last für die Umwelt. Wir haben deshalb unermüdlich nach einem Partner gesucht, der bioabbaubare Kapseln für uns produzieren kann – und ihn schlussendlich gefunden. Wir wollen die Umwelt gross schreiben ohne Qualitätseinbussen hinzunehmen. Genauso haben wir eine Unmenge an verschiedenen Versandmöglichkeiten getestet – um genau die Verpackung zu finden, die den Kaffee schützt und gleichzeitig den Müll auf ein Mindestmass reduziert. Diese Konsistenz lohnt sich, weil wir dadurch zu 100% hinter dem Produkt stehen können. Aber sie bedeutet auch eine Herausforderung.

5. Ein Tipp für künftige Gründer:
Better done than perfect! Starten lohnt sich auf jeden Fall, und es ist besser, mit einer Kompromisslösung zu beginnen, als nix zu machen – so lange die Qualität stimmt und ehrlich kommuniziert wird. Wir hatten im November 2015 die Idee für Direct Coffee und waren schon im Januar in Äthiopien. Anfang Juni konnten wir dann anfangen zu verkaufen, obwohl noch nicht alles perfekt ist. Ein Beispiel: für unsere stärkeren Kapseln brauchen wir einen stärkeren Kaffee (Robusta), um ihn mit unserem fruchtigen Äthiopier zu mischen. Denn in Äthiopien wächst nur Arabica. Wir planen deshalb, im Herbst nach Madagaskar zu reisen, um Robusta-Kleinproduzenten zu besuchen. Nun wollen unsere Kunden aber sofort ein Produkt. Deshalb haben wir uns entschlossen, übergangsweise einen Robusta von einer Fairtrade Kooperative in Tansania zu verwenden. All das kommunizieren wir transparent, mit der baldigen Aussicht auf die erstbeste Lösung – einen direkt gehandelten Robusta aus Madagaskar.

6. Dafür bin ich der HSG dankbar:
An der HSG habe ich viel über Social Business und interkulturelles Management gelernt, u.A. mit Prof. Urs Jäger und Prof. Yvette Sánchez. Dank der HSG und Prof. Christoph Frei konnte ich auch im Rahmen meiner Masterarbeit ein Förderprogram für Kleinbauern in Costa Rica bei FUNDES, sowie ein Programm für inklusivere Fairtrade-Standards für Kaffeekleinproduzenten in Nariño (Kolumbien) miterleben. Die HSG fasst «Management» breiter als nur hard skills wie Accounting und bereitet die Studierenden für vielfältige Karriere vor, bei denen es darum geht, mit Menschen unterschiedlicher Kulturen zu handeln und Dinge in ungewöhnlichen Kontexten voranzutreiben. Die HSG ist meiner Meinung nach Vorreiter in neueren, nachhaltigen Feldern des Managements und ich habe sowohl inhaltlich als auch praktisch extrem viel gelernt. Die Erfahrungen gaben mir das Vertrauen, dass ich es schaffen kann: Ich kann nach Äthiopien reisen und direkt mit Kleinproduzenten ohne Mittelmänner handeln, weil ich ähnliches vorher in anderen Kontexten getan und gesehen habe.

7. Ziele für das aktuelle Jahr (2016):
Wir wollen mit Direct Coffee Verkäufe von etwa 2 Tonnen Kaffee erreichen: Damit können wir unsere ersten drei Projekte in Äthiopien umsetzen und mehr als 1000 Schüler wirksam unterstützen. Wir wollen uns als das Referenz-Abo in der Schweiz für Privatkunden durchsetzen, die Spezialitätenkaffee mit Geschichte und sozialem Mehrwert nach Hause geliefert haben wollen. Dazu wollen wir als Kunden ein Dutzend nachhaltig-engagierte KMUs und Organisationen gewinnen, die ihre Mitarbeiter mit einem speziellen Kaffee verwöhnen wollen – das Impact HUB Zürich zum Beispiel nimmt schon unsere Kapseln. Also viel zu tun, aber wir packen es an!