HelloYellow

Interview mit Bettina Hein, HelloYellow

Warum, denkst du, bist du zur Gründerin geworden?
In meiner Familie gibt es viele Selbständige und Unternehmer – meine Grossmütter waren z.B. alle Unternehmerinnen.

Was motiviert dich im Alltag, dein Unternehmen zu leiten und vorwärts zu bringen?
Mich motiviert es sehr, technische Innovationen auf den Markt zu bringen. Noch mehr motiviert es mich, gute, stabile Arbeitsplätze zu schaffen.

Was hat die HSG-Studienzeit dazu beigetragen, dass du gegründet hast?
Ich habe mich sehr stark in studentischen Organisationen engagiert. So war ich zum Beispiel Präsidentin der Studentenschaft und habe auch START mitgegründet. So habe ich gelernt, wie man Organisationen kostendeckend aufbaut und führt.

Womit könnte die HSG dazu beitragen, dass der Gründergeist noch mehr Studierende erfasst?
Ein obligatorisches Praktikum in einem Startup wäre eine gute Möglichkeit, Studierende auf den Geschmack zu bringen.

Was war unternehmerisch deine schwierigste Erfahrung, was deine schönste?
Meine schwierigste Erfahrung war es, als wir in meiner ersten Softwarefirma die Hälfte der Angestellten entlassen mussten. Ich war noch nicht einmal 30 Jahre alt und hatte wirklich das Gefühl, die Existenz dieser Menschen und ihrer Familien auf dem Gewissen zu haben.
Die schönste Erfahrung war es jeweils bei meinen zwei bisherigen Software Startups die nachhaltige Profitabilität zu erreichen.

Wieviele Pitches musstest du bestehen? Und wie viele waren erfolgreich?

Ich habe schon Hunderte von Pitches gemacht. Eigentlich besteht das Unternehmerleben fast nur aus Pitches – und die wenigsten davon sind erfolgreich, auch bei mir. Aber man muss aus schlechten Pitches lernen und es sofort wieder probieren.

Im Rückblick: Was würdest du heute anders machen?Ich würde mehr Verkaufserfahrung vorweg sammeln – das wichtigste und schwierigste für ein Startup ist es immer, Käufer für das Produkt zu finden.

Begleitest du heute andere Gründer(innen) als Mentorin, Coach oder Business Angel? Warum?
Ja, das mache ich schon sehr lange. Ich versuche immer, meine Erfahrungen möglichst direkt und ungeschminkt weiterzugeben. Von Heldentaten zu berichten, fühlt sich zwar gut an, der Lerneffekt für die Gründer/innen ist aber viel kleiner. Mein spannendstes neues Projekt zur Startup-Förderung ist, dass ich Löwin bei der Schweizer Version der «Höhle der Löwen» Sendung bin.

Was gibst du heutigen Studierenden mit auf dem Weg?
Probiert das Unternehmertum einfach mal aus – auch direkt nach dem Studium kann man das schon machen. Ich habe das selbst gemacht und es nie bereut. Wenn es beim ersten Mal nicht klappen sollte, kurz die Wunden lecken und es einfach nochmals versuchen.

Beschreibe dein Startup in zwei Sätzen: was macht es besonders?
HelloYellow arbeitet daran, dass Internetnutzer wieder die Kontrolle über ihre Daten zurückbekommen. Jeder sollte selbst darüber entscheiden können, welche Informationen mit wem geteilt werden. Wir sind ein Teil der Solid Open Source Bewegung, die von Tim Berners-Lee ins Leben gerufen wurde.