Alois Ochsner

Alois Ochsner, Dr. rer. publ. '87

1. Was und wann haben Sie an der HSG studiert?
Ich wurde im Herbst 1971 nach der Rekrutenschule immatrikuliert. Nach dem Grundstudium und einem Praktikum in einer amerikanischen Bank in Paris (mit hohen Administrationskosten für das Management des ‚gespaltenen‘ Wechselkurses des französischen Francs)  entschloss ich mich, Staatswissenschaften zu studieren. Ich schloss mit dem Lizenziat 1976 ab. Eine Dissertation im Bereich Parlamentsreform, die 1986 angenommen wurde, rundete mein Studium  an der HSG ab.

2. Was machen Sie heute in Ihrem Leben?
Arbeitsmarkt-Fähigkeit testen, das war nicht so mein Ding. Ich fühlte mich zum «Service public» hingezogen und landete, keine Überraschung mit einem Studium HSG, in der Aussenwirtschaftspolitik. Ich bin jetzt seit einem viertel Jahrhundert im Bereich der schweizerischen Europapolitik tätig, und dies mit Herzblut! Die Arbeitsstationen umfassen Bundesamt für Aussenwirtschaft, die Mission der Schweiz bei der EU in Brüssel, das Staatssekretariat für Wirtschaft, das Integrationsbüro EDA/EVD und schliesslich die Direktion für Europäische Angelegenheiten EDA. Meine berufliche Tätigkeit lastet mich zeitlich durchaus aus.

3. Was wollten Sie als Kind werden?
Musiker und Missionar: Ich wollte den Menschen Fortschritt, Zivilisation und Kultur bringen. Diese Begriffe habe ich damals kaum hinterfragt.

4. Was ist das Wichtigste, was Sie an der HSG gelernt haben?
Dass Märkte bei der Verteilung von knappen Gütern sehr viel leisten können; dass aber auch Externalitäten beachtet werden müssen.

5. Was haben Sie an der HSG nicht gelernt?
Dass ökonomische Prozesse mitunter vom politischen Überbau, auch in der direktdemokratischen Schweiz, in suboptimaler Weise konditioniert werden.

6. Eine kurze Anekdote aus der Studienzeit?
Programmieren: Man lieferte Lochkarten (meine Söhne kennen solche nicht mal mehr  von der alten Schulthess-Waschmaschine) mit dem Programm am Abend ab, sie wurden nachts bei Rieter verarbeitet: am Morgen kriegte man unweigerlich die Fehlermeldung…
Der Zusammenbruch von Bretton-Woods mit spannenden Vorlesungen Küng und Übungen Borner: Einführung von Negativzinsen durch die SNB, ja das gab es schon mal…
Pflichtvorlesung um 20 Uhr, wo dann ein Professor mit schickem Auto den 4 anwesenden Studenten mittels mathematischer Modellierung die Unrichtigkeit der ökonomischen Thesen von Marx vorzurechnen versuchte…

7. Nennen Sie ein Land, ein Buch und ein Spiel, die zu Ihnen passen:
Die Azoren, eine Wetterküche in Äquidistanz zu Europa und Amerika , welche uns in der Schweiz häufig langdauernde Schönwetterphasen bringen soll.
Jassen, weil man dabei lernt, dass man – wie zurzeit in der Europapolitik – wohl oder übel auch mit schlechten Karten spielen muss.
Die Frage zum Buch bringt einen Buchfetischisten (ohne Kindle) in Verlegenheit. Es gäbe da einige. Zurzeit bin ich mit dem 3. und 4. Band der «Geschichte des Westens» von Heinrich August Winkler beschäftigt.

8. Mit welchem Substantiv würden Sie sich beschreiben?

Bodenhaftung, wobei ich als Schweizer gerne auf Hügel und Berge kraxle, um eine Vision von entfernteren Geländerkammern zu gewinnen.

9. Welche Person würden Sie gerne mal treffen und warum?
Mahatma Gandhi, um mich darüber zu unterhalten, wie er die heutige Welt managen würde.