Clemens Sager

Clemens Sager, lic.oec. HSG '57

1. Was und wann haben Sie an der HSG studiert?
Ich habe sechs Semester an der damaligen Handelshochschule studiert, vom Wintersemester 1952/53 bis zum Sommersemester 1957. Abgeschlossen habe ich als lic.oec. Richtung Industrie. Es gab damals drei Lizentiate: lic.oec., lic.rer.publ. und mag.oec. für Handelslehrer. Zweimal habe ich das Studium für je ein Jahr unterbrochen. Nach den ersten zwei Semestern leistete ich ein Jahr Militärdienst, UOS und OS mit abschliessendem Abverdienen. Ein weiteres Jahr verbrachte ich in Korea als Leutnant der Schweizer Delegation in der NNSC (Neutral Nations Supervisory Commission). Pech hatte ich während der Schlussprüfungen, da ich mich einer Blinddarmoperation mit Komplikationen unterziehen musste. Lediglich zwei mündliche Prüfungen fehlten noch. Trotz Pech hatte ich auch Glück. Infolge Grippe waren viele Ausfälle zu verzeichnen. Daher hatte man im  November 1957 einen Nachtermin angesetzt, um die fehlenden Prüfungen nachzuholen.  Nach kurzer praktischer Tätigkeit habe ich mein Studium während zwei Semestern an der Universität Neuenburg fortgesetzt  und mit dem Doktorat abgeschlossen.
 
2. Was machen Sie heute in Ihrem Leben? Beruflich, ehrenamtlich, o.ä.?

Obwohl ich an der HHS Richtung Industrie gewählt hatte, war ich beruflich ausschliesslich in der Bank- und Finanzbranche tätig. Zunächst leitete ich die Allianz Kredit AG, welche später von der SKA (Schweizerische Kreditanstalt) übernommen worden war. Als Direktor baute ich für diese Bank das Konsumkredit- und Leasinggeschäft auf, teilweise auch durch die Übernahme branchenverwandter Institute. Während mehrerer Jahre war ich Präsident des Verbandes Schweizerischer Kreditbanken und Finanzierungsinstitute. Schliesslich wechselte ich in die Auslandabteilung, wo ich dem Kreditgeschäft im Fernen Osten, mit Filialen in Tokyo, Hongkong und Singapur vorstand.  
Nach Aufgabe der beruflichen Tätigkeit  habe ich während über 20 Jahren ehrenamtlich eine Stiftung verwaltet, mehrere Jahre war ich aktiv in einer Seilbahngenossenschaft. Heute betreue ich ältere Personen, welche Mühe bekunden, ihre administrativen Belange zu bewältigen, sei es im Altersheim oder zuhause. Daneben geniesse ich das «otium»: beteilige mich an einem lateinischen Lesezirkel und beschäftige mich mit historischen Fragen. Ich bin engagiertes Mitglied der GMS (Gesellschaft für militärhistorische Studienreisen).

3. Was wollten Sie als Kind werden?
Ich kann mich an keinen Berufswunsch als Kind erinnern.
 
4. Was ist das Wichtigste, was Sie an der HSG gelernt haben?
Die Vorlesungen bei den Prof. Jöhr, VWL und Kaufmann, Privatrecht, waren für mich sehr wichtig. «Die Konjunkturschwankungen» von Prof. Jöhr waren damals ein Standardwerk für Studierende der Wirtschaftswissenschaften. Jöhr hat die Bedeutung mathematischer Modelle durch den Begriff «sozialpsychologischer Kernprozess» relativiert, heute spricht man von «behavioural finance». Ebenso wichtig war für mich die Pflege der Muttersprache (was heute vernachlässigt wird). Hier waren  die Vorlesungen und Übungen von Prof. Thürer wertvoll.
 
5. Was haben Sie an der HSG nicht gelernt?
Was hätte ich noch lernen sollen, was ich nicht gelernt habe? Ich weiss es nicht. Die Praxis war die nachfolgende Lehrmeisterin. So lernte ich 1960 als Management Trainee bei Chrysler International wie man es nicht machen soll.

6. Eine kurze Anekdote aus der Studienzeit?

Prof. Gsell bemerkte während einer Vorlesung die Unaufmerksamkeit einer meiner Mitstudenten. Plötzlich stellte er die Frage: «Was meinen Sie dazu, Herr Burgermeister?». Der Angesprochene stutzte und antwortete nach ein paar Sekunden: «Herr Professor, ich glaube, wichtig ist, dass man jedermann gerecht wird». Was der Professor dazu sagte weiss ich nicht mehr. Bei uns löste diese Antwort Gelächter aus.
Jeans kamen zur Zeit meines Studiums in grosse Mode. Ein Student trug eine Jeanshose als er bei Prof. Theo Keller zur Prüfung erschien.  Prof. Keller fragte ihn: «Herr Kandidat, ist das Ihr bestes Kleid?», worauf der Prüfling geantwortet haben soll: «Herr Professor, ist das Ihre erste Frage?»
 
7. Nennen Sie ein Land und ein Spiel, die zu Ihnen passen:
Land: Korea; Spiel: Monopoly

8. Mit welchem Substantiv würden Sie sich beschreiben?
Pedant

9. Welche Person würden Sie gerne mal treffen und warum?
Den Präsidenten der Vereinigten Staaten, um  ihn  zu fragen, warum sich sein Land seit meinem ersten Aufenthalt 1955 bis heute so negativ verändert habe.