Dennis Clemens Jancsary

1. Was und wann haben Sie an der HSG studiert?
Wirtschaftswissenschaften, 1998-2003
Vertiefungsgebiet Management Sozialer Prozesse

2. Was machen Sie heute in Ihrem Leben? Beruflich, ehrenamtlich, o.ä.?
Aktuell bin ich Researcher am Department of Organization der Copenhagen Business School (CBS) in Dänemark.
Zuvor war ich lange Zeit als Universitätsassistent an der WU Wien beschäftigt, wo ich nach Abschluss meines Studiums an der HSG auch das Doktorat der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (bei Prof. Renate Meyer) absolviert habe.
Neben meiner universitären Tätigkeit bin ich außerdem sporadisch als wissenschaftlicher Experte für ein kleines Beratungsunternehmen tätig und betreibe Erwachsenenbildung im Bereich Management im öffentlichen Sektor.
Ich bin Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Assoziationen sowie der Österreichischen Vereinigung für Organisation und Management (ÖVO), welche die Vermittlung wissenschaftlichen Wissens an die organisationale Praxis zum Ziel hat.

3. Was ist das Wichtigste, was Sie an der HSG gelernt haben?
Ich habe natürlich fachlich sehr viel gelernt. Letzten Endes war das für mich aber eher sekundär.
Entscheidend für meinen weiteren Weg war, dass das Studium mein Interesse an organisatorischen, insbesondere organisationssoziologischen, Fragestellungen geweckt hat. Dafür habe ich vor allem Prof. Peter Dachler und Prof. Thomas Eberle zu danken, deren Gestaltung der Vertiefungsrichtung «Management sozialer Prozesse» stark dazu beigetragen hat.
Außerdem hat mich meine Tätigkeit als studentischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Organisationspsychologie (zunächst Prof. Dachler, später Prof. Steyaert) zu einer wissenschaftlichen Karriere inspiriert.

4. Was haben Sie an der HSG nicht gelernt?
Während meines Doktorats hätte ich mir hin und wieder gewünscht, im Studium etwas detailliertere Kenntnisse zur Forschungsmethodik erworben zu haben. Letzten Endes kann ein Studium aber immer nur anstoßen, laufen muss man dann selber.

5. Eine kurze Anekdote aus der Studienzeit?
Sehr lebendig in Erinnerung geblieben ist mir mein damals erster Kontakt mit E-Mails. Ich war zuerst recht überfordert und hätte mir nicht vorstellen können, dass diese Form der Kommunikation außerhalb des universitären Kontextes einmal derart relevant wird. Der technologische Fortschritt der letzten 20 Jahre ist unglaublich, wenn man zurückdenkt.

6. Nennen Sie ein Land, ein Buch und ein Spiel, die zu Ihnen passen:
Land: Da ich mich in meinem Beruf sehr oft zwischen den Ländern und Kulturen bewege, fühle ich mich verschiedenen Ländern sehr verbunden. Auch habe ich mich bisher noch überall wohl gefühlt. Aber natürlich verbindet mich eine besondere Nähe zu Österreich, wo ich aufgewachsen bin.

Buch: Was Fachliteratur betrifft, so hat mich „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ von Peter Berger und Thomas Luckmann sehr beeindruckt und geprägt.
In der Kategorie Belletristik würde ich „The Sense of an Ending“ von Julian Barnes nennen. Es zeigt sehr schön, dass nicht nur die Gegenwart, sondern auch die eigene Vergangenheit sich im Laufe eines Lebens ständig verändern.

Spiel: Mensch ärgere Dich nicht. Man muss im Leben so manche Zusatzrunde drehen, und man sollte sich davon nicht allzu sehr frustrieren lassen.

7. Mit welchem Adjektiv würden Sie sich beschreiben?
Neugierig
Ich denke, man darf die kindliche Neugierde dem Leben und seinen Facetten gegenüber nicht verlieren.

8. Welche Person würden Sie gerne mal treffen und warum?
Wenn ich alle Möglichkeiten hätte, dann würde ich sehr gerne einen Kaffee mit einem antiken griechischen Philosophen wie z.B. Aristoteles trinken. Vieles von dem, was wir heute zu wissen glauben, beruht auf den Ideen, die er und seine KollegInnen und VordenkerInnen vor Jahrtausenden gehabt haben. Es fasziniert mich, wie Wissen über so lange Zeit aktuell bleiben kann. Außerdem würde mich interessieren, wie er unsere modernen Gesellschafts- und Organisationsformen kommentieren würde.