Stefan Faust

1. Was und wann haben Sie an der HSG studiert?
Durch mein grosses Interesse am Thema „Change“ habe ich eine Weiterbildung gesucht, welche sich mit systematischem Veränderungs-Management auseinandersetzt. Deshalb habe ich das Executive MBE bei Prof. Winter (2006 bis 2008) absolviert und mit der Diplomarbeit „Finanzierung des MedTech Start-up Corvalesco“ abgeschlossen.

2. Was machen Sie heute in Ihrem Leben? Beruflich, ehrenamtlich, o.ä.?
Seit 2011 bin ich als vollberuflicher Yoga- / Meditationslehrer und Coach tätig. Daneben arbeite ich punktuell (max. 3 Monate pro Jahr) als selbstständiger Unternehmensberater, wenn sich passende Projekte ergeben, um den Kontakt mit der Unternehmenswelt beibehalten zu können. Vorher habe ich unter anderem als Berater bei McKinsey und Head of Strategy & Change bei der RBS Gruppe gearbeitet. Als Ausgleich habe ich bereits seit dem Jahr 2000 Yoga praktiziert und bin dann sukzessive weiter in die Yoga- und Meditationswelt eingetaucht, bis ich mich dazu entschloss damit selbstständig zu werden und Yoga und Meditation für Unternehmen und Organisationen anzubieten mit meiner Firma www.inhouseyoga.ch. 2013/2014 habe ich zusätzlich eine Management Coaching Ausbildung absolviert um mein Profil zu vervollständigen.

3. Was wollten Sie als Kind werden?
Pilot was der absolute Traumberuf. Dieser Traum ist dann allerdings bei den Eintrittstest aufgrund meiner Sehschärfe gescheitert. Dann wollte ich Geographie oder Orientalistik studieren, davon wurde mir aber von vielen Seiten abgeraten, da beides „brotlos“ sei. Heutzutage wäre Orientalistik durch das Ende des Kalten Krieges und die Veränderungen und Auseinandersetzungen in der islamischen Welt sicher ein sehr interessanter und auch nachgefragter Studien-Hintergrund (im Gegensatz zu Pilot!). Da ich immer schon sehr vielfältig interessiert war, habe ich dann Architektur an der ETH studiert.

4. Was ist das Wichtigste, was Sie an der HSG gelernt haben?
Das Denken in Netzwerken und Zusammenhängen ist vor allem im Zusammenhang mit „Change“ sehr wichtig. Und natürlich ein strukturiertes und prozess-orientiertes Vorgehen. Das sind Dinge, die ich auch heute fast jeden Tag anwende.

5. Was haben Sie an der HSG nicht gelernt?
Leider wird man in den Hochschulen allgemein wenig auf die „Arbeits-Realität“ eingestellt. Und besonders nicht auf die Schattenseiten des Arbeitslebens. In der „Corporate World“ sind dies oft Stress, permanente Erreichbarkeit, Ziele-Druck, Corporate Politics, Umgang mit Zielkonflikten, etc. 

6. Eine kurze Anekdote aus der Studienzeit?
Unser MBE Modul in Spiez, als wir ein mehrtägiges Unternehmensspiel gespielt haben, in dem jeder in seiner ihm zugewiesenen Rolle handeln musste, ist mir sehr in Erinnerung geblieben. Es war sehr eindrücklich zu erfahren, wie nah das Spiel der Realität kam und wie schwierig vieles war, obwohl wir als Gruppe sehr freundschaftlich verbunden waren. Sobald es um Geld, Einfluss und Macht geht, hört die Freundschaft oft auf.

7. Nennen Sie ein Land, ein Buch und ein Spiel, die zu Ihnen passen:
Indien ist ein in vielen Belangen sehr faszinierendes und auch extremes Land. Die Flexibilität mit welcher die armen Leute ihren Alltag meistern ist beeindruckend. Sie müssen furchtlos sein und viele machen sich mit kaum etwas mehr als dem eigenen Hemd selbstständig, ohne Sicherheiten. Das beeindruckt mich, da wir gerade in Europa risikoscheu sind, obwohl niemand so gut abgesichert ist wie wir in der Schweiz.

8. Mit welchem Substantiv würden Sie sich beschreiben?
Meine Neugierde, der Wunsch die Welt und mich zu verstehen und die Freude am Leben sind herausragende Merkmale meiner Persönlichkeit. Sie sind der Motor in meinem Leben immer weiter zu gehen, Dinge die mich interessieren zu verfolgen und damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen und mich nicht von Widerständen oder Schwierigkeiten abschrecken zu lassen. Zuerst als Architekt, dann als Strategieberater, als Kommunikations-Experte, als selbstständiger Berater, als Banker und nun als Yoga- und Meditationslehrer.

9. Welche Person würden Sie gerne mal treffen und warum?
Die historische Persönlichkeit, die ich gerne gekannt hätte ist Ramana Maharshi. Er war ein indischer Weiser, welcher als vollkommen befreit gilt und muss eine unglaubliche Ruhe, inneren Frieden und Präsenz ausgestrahlt haben. Eine noch lebende Persönlichkeit, die mich fasziniert ist Roger Federer, vor allem weil er einen sehr nachhaltigen Umgang mit seinen Ressourcen pflegt, was ich in der heutigen schnelllebigen Zeit sehr wichtig finde.