Stefanie Rieger

Stefanie Rieger, Executive MBA in General Management '04

Was und wann haben Sie an der HSG studiert?
Von 2002 - 2004 habe ich an der HSG einen Executive MBA mit Schwerpunkt General Management absolviert. Als seit vielen Jahren in der Wirtschaft tätige Psychologin (Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie und der Klinischen Psychologie in Deutschland) war dies damals eine naheliegende Ergänzung zu meiner Ausbildung.

Was machen Sie heute in Ihrem Leben? Beruflich, ehrenamtlich, o.ä.?

Beruflich bin ich seit 2013 als Managing Partner der Somersault AG tätig. Wir beraten Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte in strategischen HR Themenstellungen (Zum Beispiel: Talent Management, Firmenkultur-Entwicklung, HR-Governance, -Delivery-Modelle, und -Prozesse) und rund um die People-Dimension von Business-Transformationen (inklusive M&A). Nach vielen Jahren in Geschäftsleitungen internationaler Unternehmen fühlte ich mich von Seniorität und Expertenwissen her reif für einen Perspektivenwechsel in die Beratung - und ich hatte das Glück, das Unternehmen mit einem Geschäftspartner (Alexander Brochier) gründen zu können, der mich fachlich und menschlich sehr gut ergänzt.
Ehrenamtlich bin ich im Rahmen von HSG Alumni Präsidentin von connexHR - einem Alumni-Club von heutigen HR Verantwortlichen - engagiert. Wir organisieren über das Jahr hinweg Veranstaltungen zu strategischen HR Themenstellungen (2014 z.B. zum Thema Talent Management, HR Next Practices, Transformation Management) mit interessanten Referenten aus Wirtschaft und Forschung. Wir öffnen diese Veranstaltungen auch immer wieder für übrige HSG Alumni oder für externe Gäste.
Privat bin ich Mutter einer 9-jährigen quirligen Tochter und Expertin im fröhlichen «Gratwandern» zwischen Familie und hektischem, anspruchsvollen Berufsleben.
In meinem Leben bin ich immer sehr gerne gereist (beruflich und privat). Ich habe ein «multikulti»-Mindset. Beispielsweise liebe ich es, zu verstehen, wie Management-Kolleginnen von mir aus aller Welt ihr Leben organisieren. Was heisst es beispielweise konkret, Managerin in Indien zu sein? Wie bringen meine Managementkolleginnen in Mumbai Familie, Kinder und Karriere unter einen Hut - welche Werte bestimmen ihr Handeln? Über die Jahre haben sich so wunderbare Freundschaften in aller Welt entwickelt.
Zu Studienzeiten war ich mit dem Rucksack in der Welt unterwegs - heute schätze ich bei meinen privaten Reisen ein kleines bisschen mehr Komfort. Und ich hoffe nun, dass meine Tochter Katinka ebenso viel Neugier auf fremde Länder und Menschen entwickelt, so dass ich sie bald auf längere Reisen mitnehmen kann.

Was wollten Sie als Kind werden?

Ich hatte kein fixes Bild von einem Traumberuf. Ich hatte immer mehrere Optionen im Kopf. Selbst als ich vor der Studienwahl stand, habe ich zwischen drei Optionen hin- und hergeschwankt (Biologie, Jura, Psychologie). Für jede dieser Optionen habe ich mich sehr interessiert. Meine engsten Freunde mussten dann als Sparring Partner für meine Entscheidungsfindung herhalten. Nun bin ich trotz «Entgeisterung» meiner Familie, die sich für mich etwas «Vernünftiges» gewünscht hatte, Psychologin geworden. Für mich war es die richtige Entscheidung.

Was ist das Wichtigste, was Sie an der HSG gelernt haben?
Inhaltlich habe ich durch meinen General Management EMBA viel Rüstzeug mitbekommen, um als HR Verantwortliche in Geschäftsleitungen business-bezogen agieren und überzeugen zu können. In der heutigen operativen Führung des eigenen Unternehmens hilft mir die Ausbildung praktisch jeden Tag - bei der Firmengründung habe ich mich sogar des Öfteren dabei ertappt, wieder Unterlagen aus dem Studium hervorzukramen.

Was haben Sie an der HSG nicht gelernt?
Wie man sich in schwierigen politischen Szenarien in Unternehmen bewegt, kann man vermutlich nicht an der Universität lernen. Das habe ich ausschliesslich in der Praxis lernen können. Wenngleich ich finde, dass sich hier ein weites Feld eröffnet, das weder die HSG noch andere Universitäten befriedigend aufnehmen. Denn - neben der sachlichen Zahlen/Fakten Ebene mit der uns die Universität ausstattet - besteht die Herausforderung an Manager in der Interaktion mit anderen (und der Konfrontation mit deren Persönlichkeiten, Zielen, Einstellungen die Business Entscheidungen massiv beeinflussen können) und in der Selbstreflexion (was treibt mich an - meine Persönlichkeit/Ziele, Einstellungen, Werte). Nur wer alle Komponenten beherrscht, ist dauerhaft in der Lage, fachlich gute Konzepte im Unternehmen durch- und umzusetzen.

Eine kurze Anekdote aus der Studienzeit?

Ich habe leider nur lange Anekdoten - daher lasse ich es aus Platzgründen.

Nennen Sie ein Land, ein Buch und ein Spiel, die zu Ihnen passen:
Land: Ich mag die skandinavischen Länder. Ich schätze die unaufgeregte, unkomplizierte, direkte, faktenbasierte aber auch personenorientierte Mentalität sehr. Für mich ein Wohlfühlklima - im beruflichen und privaten Kontext.
Buch: Ein spezielles Buch gibt es nicht. Ich finde, dass witzige/schräge/phantasievolle Bücher und Autoren gut zu mir passen, etwa Bücher von John Irving, Rita Mae Brown oder Jules Verne aber auch märchenartige Bücher (Michael Ende) oder Biographien.
Spiel: Ich bin kein Fan von Gesellschaftsspielen. Wer mich dazu bringen will, braucht gute Argumente - daher gibt es kein Spiel, das ich besonders liebe. Besonders schrecklich finde ich irgendwelche «Völkerwanderungs»-Spiele über mehrere Tage - ein Albtraum für mich. Für ein Handballspiel oder Ähnliches bin ich aber immer zu haben.

Mit welchem Substantiv würden Sie sich beschreiben?
Mir fallen nur Adjektive ein.

Welche Person würden Sie gerne mal treffen und warum?
Momentan würde ich gerne mal einen Spaziergang mit Angela Merkel unternehmen und mich mit ihr darüber unterhalten, wie sie in der momentan schwierigen internationalen politischen Gemengelage zu Entscheidungen kommt. Wie es ihr unter dem riesigen Druck ergeht, wovor sie sich fürchtet, und was ihr Kraft gibt. Ansonsten sind die interessantesten Menschen oft diejenigen in meiner Nähe - z.B. die Nachbarin, die ich schon oft gesehen, mit der ich aber nie gesprochen hatte. Plötzlich ergab sich eine Gelegenheit und ich stellte fest, welche interessanten Menschen direkt vor meiner Haustür unterwegs sind - ein Highlight!