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25.05.2020

«Für Startups sind gute und qualifizierte Mitarbeitende für den Aufbau und das «Überleben» essenziell.»

Auch die Startup-Community wurde von der Corona-Krise getroffen. Im Kurzinterview gibt HSG-Alumnus Lorenz Ineichen vom Netzwerk für Innovationen und Startups «Startfeld» Einblick in seine Erfahrungen und gibt auch für die Zukunft einige Tipps.

  • Beschreibe dich in drei kurzen Sätzen.

Mein Name ist Lorenz Ineichen, ich habe an der Universität St.Gallen Business Management studiert, arbeitete 1.5 Jahre für Tesla in der Schweiz und bin seit zwei Jahren für Startfeld, das Innovationsnetzwerk rund um den Säntis, in St.Gallen tätig. Zu Beginn arbeitete ich als Delegierter der Universität St.Gallen und leite seit Herbst 2019 die Startup Förderung. In meiner Freizeit ist Sport ein wichtiger Ausgleich.

  • Was hast du an der HSG gelernt und wie hat das Gelernte dir geholfen, den Einstieg bei Startfeld zu meistern?

Mit dem Master in Unternehmensführung durfte ich eine breite Ausbildung geniessen. Besonders hilfreich für den Einstieg bei Startfeld waren die Vorlesungen in Entrepreneurship. Vom dort Gelernten kann ich noch heute täglich profitieren, seien Elemente des Startup Finance oder die Relevanz von Teamzusammensetzungen.

  • Wie hat sich dein Arbeitsalltag in der Corona-Krise verändert?

Seit Mitte März arbeite ich im Homeoffice. Die täglichen Gespräche und die Kaffeepausen finden nun per Zoom, Teams etc. statt, was bedeutet, dass ich teilweise mehr als sieben Stunden durch meinen Laptop spreche. Ich freue mich schon jetzt, Gespräche wieder persönlich durchführen zu können.

  • Worin bestehen die aktuellen Herausforderungen für Startfeld?

Zu Beginn der Krise bestand eine gewisse Herausforderung darin, die Digitalisierung von Startfeld innerhalb von wenigen Tagen voranzutreiben; das heisst, die interne Kommunikation umzustellen und physische Events abzusagen und in Onlineformate, wie Webinars zu transformieren. Das konnten wir gut meistern und es hat sich mittlerweile eingependelt. Wir mussten uns in der neuen Situation erstmals orientieren, was nun die Bedürfnisse unserer Stakeholder sind, um auf diese Anliegen eingehen zu können. Wir nutzen nun die Zeit mit weniger Events, um an strategischen Vorhaben zu arbeiten.

  • Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Startups zurzeit aus?

Der Prozess mit den Startups läuft grundsätzlich wie gewohnt weiter. Wir prüfen interessante Projekte, führen Expertenkomitees durch und Pitches vor der Stiftung (für Finanzierungen) finden ebenfalls statt. Gewisse Startups spüren jedoch Lieferengpässe, die Zurückhaltung der Investoren und die Überforderung der Kunden. Aufgrund von solchen Einschränkungen bei ihren Stakeholdern sind den Startups teilweise die Hände gebunden. Die Startups kommen in dieser Phase unterschiedlich auf uns zu, gewisse suchen einen intensiven Austausch, andere gar nicht.

  • Warum ist es für Startups aktuell wichtig, Netzwerke wie HSG Alumni und Ökosystemen wie Startfeld zu nutzen?

Solche Netzwerke bündeln eine grosse Vielfalt an Ressourcen, welche von Startups auf verschiedenen Ebenen genutzt werden. Es kann bei der Investorensuche und der Kundengewinnung helfen, Marktzugänge und den Zugang zu neuen Mitarbeitern ermöglichen und den Zugang zu neuen Lieferanten schaffen. Schlussendlich können diese Netzwerke den Gründern/innen helfen, sich aufgrund der mangelnden Erfahrung im täglichen «Startup Leben» zurechtzufinden.

Startfeld ist Teil eines Innovations-Ökosystems in der Ostschweiz. Startfeld hat verschiedene gute Angebote. Wir bieten Informationen, Beratungen, Coachings, Schulungen, Finanzierungen und Infrastruktur in einem innovativen Umfeld an. Das wertvollste ist jedoch das Netzwerk. Das ermöglicht einen vereinfachten Erfahrungsaustausch zwischen den Gründern/innen und Externen. Letztes Jahr haben beispielsweise mehr als 1'500 Personen das Startfeld besucht.

  • Worin siehst du den Nutzen für Startups, sich auf einer Plattform wie HSG Alumni Employer zu präsentieren?

Für Startups sind gute und qualifizierte Mitarbeitende für den Aufbau und das «Überleben» essenziell. Die Ressourcen bei Startups sind jedoch oft beschränkt. Durch eine Plattform wie beispielsweise die HSG Alumni Employer kann effizient nach neuen Mitarbeitern/innen gesucht und Schlüsselpositionen passend besetzt werden.  

  • Was sollte man beachten, wenn man jetzt ein Startup gründen möchte?

Die momentane wirtschaftliche Situation bedarf einer fundierten Analyse und einer Auseinandersetzung mit den Einschränkungen, welche das potenzielle Startup tangieren können. Es ist nun noch wichtiger in verschiedenen Szenarien zu denken und noch genauer hinzuhören, was Kunden wollen, um möglichst auf diese Bedürfnisse eingehen zu können. Da zum jetzigen Zeitpunkt die Akzeptanz bei potenziellen Stakeholdern für «kostengünstige» Onlineinteraktionen erhöht ist, sollten diese Formate, unbedingt genutzt werden. Die ganze Finanzierungsthematik stellt momentan eine grosse Herausforderung dar, da Investoren aufgrund der Umstände eher zurückhaltend agieren, trotzdem bietet auch diese Krise Chancen.

  • Welchen Ratschlag würdest du jemandem geben der von einem etablierten Unternehmen in ein Startup wechseln möchte?

Es handelt sich um zwei komplett verschiedene Welten, dessen muss man sich bewusst sein. In der Startup Welt geht es um das «Handling» von Risiken, es bedarf also einer gewissen Risikobereitschaft. Strukturen und Prozesse sind bei Startups nur schwach vorhanden, diese Gegebenheiten müssen einem liegen. Ich erachte es ebenfalls als wichtig, dass Mitarbeitenden eines Startups über eine grosse intrinsische Motivation verfügen und nicht die Anreize eines hohen Exits als Motivator sehen. Hat jemand Freude am Risiko und Freude am Produkt kann die Arbeit in einem Startup zu hoher Befriedigung führen. Im Vergleich zum etablierten Unternehmen bieten Startups flexible Strukturen, direkte und schnelle Entscheidungsprozesse, eine kundenorientierte Herangehensweise, eine «Can Do» Einstellung und die Interaktion mit charismatischen Persönlichkeiten u.v.m.