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30.11.2018

«Menschen befähigen, ihr Wissen besser mit anderen zu teilen»

Für ihr Buch «Meet up! – einfach bessere Besprechungen durch Nudging» haben HSG-Professor Martin J. Eppler und sein Co-Autor Sebastian Kernbach den International Book Award von «getabstract» gewonnen. Im Gespräch mit HSG Alumni schildert Professor Eppler, warum er solche Bücher schreibt.

In welchem Verhältnis stehen eure praxisorientierten Bücher zu Forschung und Theorie?

Wir versuchen in unseren Büchern, Erkenntnisse aus unseren Forschungsprojekten in die Praxis des Managements zu transferieren, getreu dem HSG-Motto «from insight to impact». Aus diesem Grund führen wir auch immer die zugrundeliegenden Studien, Fachbeiträge und Experimente in den Büchern auf.

Dabei ist es uns ein Anliegen, den aktuellen (internationalen) Wissensstand aus der Forschung auf einem Gebiet einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen – in einer spannenden und anschaulichen Form.

Das ist z.T. übrigens bitter nötig, gerade im Visualisierungs-, Kommunikations- und Kreativitätsbereich. In diesen Gebieten gibt es einen riesigen Graben zwischen Forschung und Praxis: Tipps aus der Forschung zu Innovation und Kommunikation sind noch lange nicht flächendeckend in der Praxis angekommen. So verwenden z.B. immer noch viele Manager/innen Brainstorming, obwohl in Dutzenden Studien nachgewiesen wurde, dass es sich dabei um keine gute Kreativitätstechnik handelt.

Was ist die Motivation hinter diesen Büchern?

Ich möchte Menschen dazu befähigen, ihr Wissen besser mit anderen zu teilen und so Herausforderungen gemeinsam meistern zu können. Meine Ambition ist, die Art und Weise zu verändern, wie Menschen in Organisationen kommunizieren. Mir ist bewusst, dass es dazu nicht ausreicht, Kommunikation nur zu beforschen und Forschungsartikel zu publizieren. Wir müssen dazu auch Praxisbücher schreiben, Kurse und Interviews geben, Zeitschriften herausgeben (die «OrganisationsEntwicklung») und Organisationen und Menschen begleiten. Forschung bleibt aber unser Kerngeschäft.

Was interessiert dich als Forscher besonders?

Mich interessiert, wie man komplexes klar kommunizieren kann. Eine unserer Studien heisst denn auch «Complex to Clear» (auf www.clear-communication.org frei verfügbar). Spezifisch fasziniert mich, wie Spezialisten durch eine klare Kommunikation besser mit Entscheidern zusammenarbeiten können, etwa Ingenieure, Informatiker oder Juristen mit Managern.

Zudem interessiert mich die Kreativität von Teams und wie man diese als Führungskraft bewusst fördern kann. Dazu erschien übrigens unser Buch Creability – gemeinsam kreativ – gerade in der 2. Auflage.

Viele meiner anderen Bücher behandeln ebenfalls Kommunikation und wie man diese durch Visualisierung radikal verbessern kann, so etwa «Sketching at Work», das gerade auf Chinesisch erscheint, oder das Buch «Dynagrams-Denken in Stereo». Auch im neuen Buch «Meet up!» geht es um ergiebige Kommunikation – v.a. im Sitzungskontext. Dort verwenden wir den Nudging-Ansatz um Menschen quasi zu besserer Kommunikation zu verführen.

Woran arbeitest du gerade?

Ganz konkret an drei Forschungsprojekten bzw. Fragen: 1. Wir untersuchen, warum Manager ihr Wissen über gewisse Themen oft massiv überschätzen und wie man dieses Problem lösen kann. Das nennt man die «Illusion of Explanatory Depth» oder provokativer: Inkompetenzkompensationskompetenz. 2. Wir untersuchen, wie man die Wirksamkeit von Kampagnen von Non-Profit Organisationen erhöhen kann. Dazu verwenden wir die sogenannte Framingtheorie. 3. Wir entwickeln im Rahmen eines Nationalfondsprojektes neue visuelle Methoden, mit denen Forscher/innen ihre Resultate interaktiv mit Praktikern besprechen können.

Ist schon ein neues Buch in der Pipeline?

Ja, im Januar 2019 erscheint ein Buch, das ich zusammen mit vier weiteren HSG-Kolleginnen und Kollegen verfassen durfte, über die Professionalisierung von humanitären Organisationen wie dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz. Darin beleuchten wir auch die Rolle von sozialen Medien für die Kommunikation mit Anspruchsgruppen.

Interview: Roger Tinner