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14.07.2020

History Matters

Mit Manuel Zehr sowie Ivo Zillig wurden erneut zwei EMBA-HSG-Absolventen mit dem NZZ-Preis für ihre Masterarbeiten ausgezeichnet. Darin ist ihnen nicht nur der Transfer der Theorie in die Praxis gelungen. Sie ebnen damit auch den Weg für Veränderungen in ihren Organisationen.

Die strahlenden Preisträger Manuel Zehr (links im Bild), Ivo Zillig (rechts im Bild), umrahmt von Institutsleiterin Karolin Frankenberger (l.) und Jurypräsidentin Daniela Decurtins (r.). 
Die strahlenden Preisträger Manuel Zehr (links im Bild), Ivo Zillig (rechts im Bild), umrahmt von Institutsleiterin Karolin Frankenberger (l.) und Jurypräsidentin Daniela Decurtins (r.).

Text von Daniela Decutins

Der 34-jährige Manuel Zehr, der zuvor Wirtschaftspsychologie an der Universität Zürich studiert hatte, zeigt in seiner Arbeit auf, wie unendlich schwer es ist, eine Firma mit einer erfolgreichen Vergangenheit auf einen neuen Weg auszurichten. «Da stehen dann nicht mehr kognitive, sondern sehr emotionale Themen im Vordergrund», sagt Zehr. Diesbezüglich habe die Management-Lehre Aufholbedarf: «Es sollten noch mehr Modelle und Ansätze entwickelt werden, welche auf den Umgang und die Arbeit mit Emotionen fokussieren.» Als Gegenstand seiner Fallstudie, die Geschäftsmodellinnovationen zum Thema hatte, diente ihm ein Dienstleistungsunternehmen für Assessment Lösungen, die papilio AG, die noch im Besitz des Gründers ist. Zum Zeitpunkt der Arbeit war Zehr verantwortlich für das Business Development und Geschäftsleitungsmitglied.

Hürden für Innovationen

Er beschäftigte sich mit der Frage, die aktuell viele umtreibt: funktioniert das bisherige Geschäftsmodell im Zeitalter von Digitalisierung und der Industriellen Revolution 4.0 noch oder braucht es nicht viel mehr eine Innovation des Geschäftsmodells? Mit dem Hinterfragen des bisherigen Weges tun sich aber viele schwer. Gelingt es nicht die Anpassungsfähigkeit an sich wandelnde Marktbedingungen zu erhalten, sind letztlich viele Arbeitsplätze gefährdet. Zehr kommt für sein Unternehmen zum Schluss, dass der Aufbau eines plattformbasierten Ökosystems Sinn macht, äussert anspruchsvoll, aber machbar ist.

Während des Schreibens der Masterarbeit hat sich Zehr sehr stark mit der Vergangenheit des Unternehmens auseinandergesetzt. «Da wurde für mich persönlich nochmals viel besser verständlich, wer welche Positionen und Vorlieben für die erarbeiteten Strategieoptionen bezog», hält Zehr fest. Die Umsetzung ist derzeit in Arbeit, Manuel Zehr zieht es aber weiter. «Aufgrund der vielen inspirierenden Momente an der HSG habe ich mich dazu entscheiden, ein neues berufliches Kapitel aufzuschlagen.»

Folgen der Klimapolitik

Die Jury des NZZ-Preises, die sich aus Vorstandsmitgliedern der EMBA HSG-Alumni zusammensetzt, zeichnete dieses Mal eine weitere Arbeit aus. Der 47-jährige Wirtschaftsingenieur Ivo Zillig setzte sich in seiner Arbeit mit der aktuellen Klima- und Energiepolitik auseinander und den damit sich verändernden Rahmenbedingungen für Energieversorgungsunternehmen. Konkret ging es um die Frage, ob sich für ein Querverbundsunternehmen wie die Technischen Betriebe Weinfelden ein erfolgsversprechendes und nachhaltiges Geschäftsmodell entwickeln lässt, wen mitten im erdgasversorgten Gebiet ein Fernwärmeprojekt entsteht. «Heute bezieht die Mehrheit unserer Kunden ihre Wärme aus dem Gasnetz. Ob die Kunden in Zukunft ihre Wärme nun über unser Gasnetz bezieht oder über unser Stromnetz oder über Fernwärmenetz, ist für uns höchstrelevant», führt Zillig aus.

Der Thurgauer entwickelte verschiedene Varianten und eruierte die dadurch entstehenden Zielkonflikte. Er arbeitete sie mittels unterschiedlichsten Interviews auf und untersuchte sie in einer umfassenden Nutzwertanalyse. «Ich wurde überrascht von der Erkenntnis, dass in der Schweiz wirtschaftliche Interessen höher gewichtet werden als der Umweltschutz», sagt Zillig. «Das hatte erheblichen Einfluss auf die Energiepreise und somit auch direkt auf das Resultat der Arbeit.» Der Verband KVA Thurgau hat mittlerweile auf der Grundlage der Arbeit entschieden, das Projekt einer Fernwärmeleitung mit dem in den Varianten erarbeiteten Verlauf umsetzen zu wollen und eine detaillierte Vorprüfung und Klärung der Schlüsselkriterien in Angriff genommen. Zillig will die Erkenntnisse für seinen Arbeitgeber weiter nutzen: «Mit diesem Knowhow will ich für unser Unternehmen eine Wärmestrategie entwickeln, in der die TBW im Driver Seat sitzt und nicht einfach nur fremdgesteuert wird.»