News

Alle News anzeigen

28.02.2020

«Je älter ich werde, desto mehr zweifle ich»

Lebenslanges Lernen geht besser in der Gemeinschaft mit ähnlichem Hintergrund und Geist: Dies war das Motto des ersten EMBA-Homecomingevents. Hochkarätige Referenten wie Uhrenlegende Jean-Claude Biver, Workshops und soziale Aktivitäten füllten es mit Leben.

Autorin: Daniela Decurtins

Rund 3000 Studierende absolvierten in den letzten mehr als 30 Jahren das EMBA an der Universität St.Gallen. Im Financial Times-Ranking der europäischen Business Schools belegt die HSG den vierten Rang bezüglich der Qualität des Programms. Zu Beginn waren darunter nur wenige Frauen. Inzwischen hätten sie das Szepter übernommen, wie HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller bemerkte. Das Organisationskomitee rund um Karolin Frankenberger, akademische Direktorin des EMBA HSG, und Franziska Eberhard, Präsidentin der EMBA HSG Alumni, hatte ein vielseitiges Programm rund um das Thema «Mensch sein – Menschen bleiben» auf die Beine gestellt. 250 Alumni, Professoren und Dozenten sowie aktuell Studierende folgten der Einladung auf die Holzweid.

Luxus-Uhrenlegende Jean-Claude Biver liess beim Talk mit dem TV-Journalisten Urs Gredig keinen unberührt. Nicht zuletzt seine Fähigkeit, über sich selbst zu lachen und sich zu hinterfragen, steckte an. Getrieben durch die Leidenschaft für die Uhrenmacherei und Menschen geht er eigene Wege, um das Unternehmen zu innovieren. Bei Hublot etwa schuf er einen Beirat nur mit 13- bis 18-Jährigen, um besser zu verstehen, wie sie die Zukunft sehen. «Je älter ich werde, desto mehr zweifle ich», sagte er und sprach über die schlaflosen Nächte, wenn ihn eine Entscheidung umtrieb.

EMBA-Homecoming 2020

«Management ist ein Privileg»

Bob Chapman, Vorstand und CEO von Barry-Wehmiller, einem weltweit tätigen Anbieter technischer Beratungs- und Fertigungstechnologielösungen, stellte in seinem Referat den Mitarbeitenden in den Mittelpunkt. «87 Prozent der Mitarbeitenden in den USA haben gemäss einer Umfrage das Gefühl, dass sich ihr Unternehmen nicht um sie sorgt», sagte er. Das habe verheerende Rückwirkungen auf das Leben der Menschen bis hin zu den Beziehungen zu ihren Partnern und Kindern. Leadership müsse als Privileg verstanden werden. «Behandeln sie ihre Mitarbeiter so, wie sie möchten, dass ihre Kinder behandelt werden», mahnte er eindringlich.

Karolin Frankenberger, Direktorin des EMBA, begleitet in ihren Forschungsaktivitäten Unternehmen im Umbruch. Sie zeigte das Dilemma auf, das bei Firmen entsteht, die ihre traditionellen Geschäftsaktivitäten weiterentwickeln und gleichzeitig ein neues, digitales Geschäftsmodell aufbauen wollen. Man müsse ein Zusammenspiel erreichen, das aber äusserst anspruchsvoll sei, weil beide Bereiche fundamental unterschiedliche Fähigkeiten bedingen. «Das Dilemma bringt Interessenkonflikte mit sich, die man adressieren muss», hielt sie fest. Etwa indem das traditionelle Geschäft den Aufbau des neuen Bereichs mitfinanzieren muss. Oder indem etwa Mitarbeitende dafür gewonnen werden müssen, sich zu engagieren, auch wenn der Ausgang noch unsicher ist und gewisse neue Aktivitäten auch wieder eingestellt werden können.

Entwicklungen im Internet

Miriam Meckel, Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St.Gallen, zeigte anhand der Technologie des Quantencomputing, wie sich die Welt verändert und wir auch unser Denken verändern. Sie ticke längst nicht mehr binär, entlang den Unterscheidungen von schwarz und weiss, links und rechts, konservativ und fortschrittlich. Es gäbe unzählbare Zwischenzustände, die sich überlagern. Sie dokumentierte dies anhand von Beispielen von Deepfakes im Internet, etwa Fälschungen von Video-Interviews, die sich schwer erkennen lassen. «Wir wissen noch nicht genau, wie damit umzugehen, wir müssen es aber lernen», hielt sie fest. Dazu müssten wir Zukunftskompetenzen entwickeln, in den Bereichen Wissen, Fähigkeiten und Charakter. Gleichzeitig zeigte sie sich zuversichtlich, da der Mensch die Fähigkeit habe, Dinge in den Gesamtzusammenhang einzuordnen und damit der Künstlichen Intelligenz überlegen sei.

Am Anlass wurde aber auch genügend Raum für das Netzwerken geschaffen, etwa in Workshops zu verschiedenen Themen oder beim Eisskulpturen meisseln, Bilder malen, Dominosteinen legen oder der Party am Abend mit Livemusik. Der Anlass trug wesentlich dazu bei, die Identität zu stärken. «Wir sind stolz, Teil dieser Community zu sein», hielt Karolin Frankenberger fest. Wann der nächste gemeinsame Event der Community stattfinden soll, liessen Frankenberger und Eberhard vorerst noch offen.

Aktive EMBA HSG Alumni
EMBA HSG Alumni ist finanziell gut auf Kurs und sehr aktiv, wie die gleichentags abgehaltene Generalversammlung des Vereins belegte. Dazu gehören eine engere Zusammenarbeit mit der Universität St.Gallen, Weiterbildungsanlässe mit attraktiven Referenten wie Ulrich Schmid – er wird am Fiirabig-Anlass über Russland im geopolitischen Spannungsfeld sprechen – oder ein Mentoringprogramm. Zudem sollen die kommunikativen Aktivitäten über Social Media verstärkt werden. Wolfgang Jenewein, akademischer Direktor von 2011 bis 2018, wurde zum neuen Ehrenmitglied ernannt. Die Versammlung wählte den Vorstand mit Franziska Eberhard, Sarah Banzer, Pablo Behrens, Daniela Decurtins, Mark Mickoleit, Stefan Stübi, Robi Suter und Mandy von Piotrowski einstimmig wieder. Neu im Vorstand aufgenommen wurde Karlo Novak, der die Ehemaligen der englischsprachigen, internationalen Programme vertritt.